2.11.19

Bitte etwas mehr Sorgfalt beim Klima-Check

Lieber ADAC, liebes Joanneum Research, Graz!

Da ist doch was faul an Ihrer Grafik - oder übersehe ich hier etwas Signifikantes?

Aus der ADAC-Motorwelt 11/2019, Seite 26: https://www.adac.de/_ext/motorwelt/ADAC-Motorwelt-Nov-2019.pdf

Wenn ich die Steigung der Graphen für Elektroauto mit Strommix Deutschland (1) gegenüber dem Benziner vergleiche, deckt sich das so gar nicht mit meinem Gefühl als Naturwissenschaftler. Da das Gefühl gelegentlich trügt überschlagen wir mal.

„Im Jahr 2018 wird der CO2-Emissionsfaktor für den Strommix in Deutschland auf 474 Gramm pro Kilowattstunde geschätzt.“ https://de.statista.com/statistik/daten/studie/38897/umfrage/co2-emissionsfaktor-fuer-den-strommix-in-deutschland-seit-1990/

„Der Kohlenstoffanteil im Kraftstoff bestimmt, wie viel CO2 bei der Verbrennung des Kraftstoffes entsteht. So werden bei der Verbrennung von einem Liter Benzin 2,37 kg CO2 freigesetzt und bei der Verbrennung der gleichen Menge Diesel 2,65 kg CO2.“ https://www.dekra.de/de/umwelt-und-co2/

Dazu kommt noch, dass die Kraftstoffe ja nicht so ohne Weiteres aus der Zapfsäule laufen. „In Deutschland wird der Well-to-Tank-Wirkungsgrad meist bei Benzin mit ca. 82 %, Diesel mit ca. 90 % und Erdgas mit ca. 86 % angesetzt.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Well-to-Tank#Well-to-Tank_f%C3%BCr_fossile_Kraftstoffe

Für die Kompaktklasse beispielhaft mit den Normverbräuchen des Golf 7 gerechnet:

16,2 kWh/100 km * 474 g/kWh = 77 g/km
4,9 l/100 km * 2,37 kg/l / 0,82 = 142 g/km

Damit liegt das Elektroauto um den Faktor 2 besser.

Bevor jemand über die hier verwendeten Norm- gegenüber Realverbräuchen schwadroniert: In der Realität liegt der e-Golf sehr deutlich näher am Normwert als der Benziner. https://www.spritmonitor.de/

Vor diesem Hintergrund kann ich die fast deckungsgleiche Steigung in der Grafik ehrlich gesagt nicht nachvollziehen.

Können Sie mir da auf die Sprünge helfen?

Viele Grüße

P.S. / Nachtrag Anfang 2021, also gut ein Jahre später: Für 2019 ergeben sich 16,2 kWh/100 km * 404 g/kWh = 65 g/km, für 2020 16,2 kWh/100 km * 365 g/kWh = 59 g/km für das Elektroauto - jedoch weiterhin 142 g/kWh für den Verbrenner.

18.10.19

#FridaysForFuture

Vielen Dank an alle für #FridaysForFuture Aktiven, dass Ihr den #Klimaschutz wieder auf die Agenda gebracht habt! Es sind mehr ältere auf Eurer Seite, als Ihr denkt 💪

Wir brauchen weniger Protest und Gejammer, dafür mehr Forschung und Umsetzung. Wir leben ja nicht im luftleeren Raum, sondern einer Gesellschaft, anderen Ländern und Kontinenten um uns herum. Wir müssen Vorreiter sein, Fehler erlauben und den Rest mitnehmen. Niemand hört zu, wenn man ihn frontal angreift. Kaum jemand gibt einmal erlangte Errungenschaften auf. Die Erfahrung lehrt, dass die Gesellschaft sich viel langsamer entwickelt als die Technologie; wir brauchen daher Lösungen für diese Gesellschaft. Was können wir jetzt tun, was mittelfristig und was langfristig?

Sonst stehen in einem Jahr die ökologisch motivierten Wutbürger den abgehängten Wutbürgern entgegen. Keine guten Aussichten für den Planeten...

1.7.19

Ein Tesla hat keine (vorbeugende?) Wartung nötig

„Wusstest du schon ...?

... dass der Siedepunkt deiner Bremsflüssigkeit sinkt, wenn Feuchtigkeit in dein Bremssystem eindringt? Und das passiert unweigerlich, selbst im Stand. Denn zum einen ist kein Bremssystem absolut dicht, zum anderen sind Bremsflüssigkeiten hygroskopisch, also wasseranziehend. Deshalb sollte die Bremsflüssigkeit am besten jährlich gewechselt werden, bei hoher Beanspruchung im Rennbetrieb gerne auch häufiger.“

Diese Zeilen schrieb mir gerade einer der Anbieter für Rennstreckentrainings, bei denen ich meinem Sportmotorrad gelegentlich Auslauf gewähre. Ich kann zu dem Thema sogar noch etwas mit Wissen protzen, weiß ich doch um den Grund für die geschilderten Eigenschaften der Bremsflüssigkeit: Die Bremsleitungen werden - anders als Getriebe oder gar Verbrennungsmotoren - nicht regelmäßig soweit erwärmt, dass das eingedrungene Wasser im Regelbetrieb von selbst verdunstet. Also muss die Bremsflüssigkeit dieses Wasser binden können. Beim daraufhin eingesetzten hygroskopischen Öl sinkt aber mit zunehmendem Wasseranteil der Siedepunkt. Hier gibt es dann eine Verschleißgrenze in Form einer Mindestsiedetemperatur, nach der die Bremsflüssigkeit gewechselt werden soll, damit man im Notfall auch mal kräftig bremsen kann; ggf. auch mehrfach hintereinander.

Das kann man natürlich ignorieren, (mir, ?) wird schon nichts passieren. Wir bleiben aber dran: Was geschieht weiter, wenn die Fähigkeit der Bremsflüssigkeit, Wasser aufzunehmen, völlig erschöpft ist? Dann beginnen die Bremsenbauteile (Bremsleitungen, Bremszylinder, Bremskolben) von innen zu korrodieren. Spätestens wenn schließlich die Bremskolben nicht mehr gängig sind, wird man wohl den Weg in die Werkstatt nehmen müssen; da hilft dann auch kein Software-Update. Wohl dem, der dann nicht sechs Wochen auf einen Werkstatttermin warten muss (und über ein volles Portemonnaie verfügt).

11.6.19

Hype, Fake and Makeup oder kurz und knapp auf Kanak: „Tesla redet nicht, die labern nur“


Wo finde ich hier Leaf, Ioniq, Kona, Zoe oder den e-Golf (Alle effizienter als alle hier aufgeführten Modelle!)? Hier läuft sich Tesla im Reichweitenprotzen tot und manipuliert zusätzlich über die Fahrzeugauswahl. Die Frage lautet doch mittlerweile längst, welches Auto zu welchem Anwendungsprofil passt. Zum Glück!
Der sweet spot für die Reichweite und Fahrleistungen ist doch längst überschritten. Ich halte hier die Aussage „Wenn man Fahrzeuggesamtgewicht und Reichweite ins Verhältnis setze, gibt es einen ‚Sweet Spot‘, der bei etwa zwei Tonnen und 300-400 Kilometer Reichweite liege. „Bis hierhin sehe ich das batterieelektrische Fahrzeug derzeit im Vorteil“, so der Elektronikingenieur.“ aus dem Artikel [ https://ecomento.de/2019/06/26/technologieberater-an-der-elektrifizierung-des-antriebs-fuehrt-kein-weg-vorbei/ ] für ziemlich zutreffend.
Klar verkauft Tesla das Narrativ von überbordender Leistung bei unendlicher Reichweite, nur zahlt das inzwischen nicht mehr auf den Klimaschutz ein. Fun fact: In die Realität überhole ich auf der Autobahn mit den typisch 120 km/h meines e-Golfs 95 % der Teslas.
Auf der Langstrecke fahre ich schon lange lieber Bahn...